Sie will Fotografin werden - Ein How to

Fotografieren lernen für Kinder

Wie fängt man eigentlich mit Kindern das Fotografieren an? 

Ich kann mich noch stark an meine eigene Kindheit erinnern. Meine Affinität hat irgendwas mit dem "Trocken werden" zu tun gehabt. Pullerst du ins Klo, kriegste diese Tasche mit ganz vielen Kameras (ganz viel kaputter Kram und eine Polaroid)....haben sie gesagt. Das half und ich war stolzer Besitzer einer eigenen Alditüte voller Kameras. Freilich hatte ich keine Filme. Aber ich war ganz vorn mit dabei wenn der Vorhang aufging und die Dienste eines Fotografen benötigt wurden. Über 30 Jahre später, ist es so geblieben, bis auf den Einzug des digitalen Zeitalters. :)

 

Meine Tochter, mittlerweile 10 Jahre alt, hat keine wirkliche Affinität zu Kameras. Sie ist da ganz Frau und möchte sich eigentlich auch nicht mit irgendwelchen Einstellungen beschäftigen. Und das ist auch gut so! 

Zu Weihnachten erhielt sie die alte Canon 1000D meines Vaters, mit einem Batteriegriff und dem Standardobjektiv. Obendrauf habe ich ihr noch das 50 mm 1.8 gekauft. Das ist schon eine "Wumme" für ihre kleinen Kinderhände. Aber sie macht das ganz gut. 

 

In einer Forendiskussion sprach ich an, dass ich ihr gerne eine kleinere Kamera kaufen würde, die für sie einfach handlicher ist. Gebraucht natürlich, man weiß ja nie, wo die Reise hingeht. Da ich selber Fuji nutze, und auch hier darüber nachdachte ihr eine günstige Fuji X-E1 zu gönnen, geriet ich bereits ins Kreuzfeuer. So würde sie niemals den Zusammenhang zwischen Blende, ISO und Zeit lernen. Ganz ehrlich? Das muss und sollte sie nicht. Warum soll sich ein zehnjähriges Kind jetzt schon mit der fiesen Technik der Fotografie beschäftigen. Sprunghaft wie Kinder sind, sollte sie sich einfach den Spaß an der Sache bewahren und einfach Fotografieren gehen. Denn, wenn man im Automatikmodus unterwegs ist, kann man sich insbesondere auf eine Sache konzentrieren beim Fotografieren, der Komposition. Ich habe mit Ihr bislang noch kein Aufklärungsgespräch geführt. Ich wäre froh, wenn sie einfach eine eigene Sicht der Dinge entwickelt. Bislang klappt das wirklich gut.

Kinder lernen das Fotografieren

Anfänglich habe ich Ihr nur mal den Ratschlag gegeben "Geh doch mal näher an die Blume" oder "frag dich vorher wie du es selber schön finden würdest". Ganz oben seht Ihr das Bild mit der Blume. Sowas sah am Anfang anders aus. Bei 18 mm stand sie 10 Meter entfernt und wollte die Blume ins rechte Licht rücken. Da findet ein ganz eigener Lernprozess statt, in welchen ich so gering wie möglich eingreifen möchte.

Auch das Schwarzweiß am Meer, mit den im Wasser herumtollenden Menschen, hat sie ganz toll komponiert. Ich hätte es vermutlich nicht anders geschossen. Das Bild hat soviel Stimmung. Positiv, wie auch negativ. Es lässt ganz viel Spielraum. 

 

Warum sollte ich sie in eine Richtung drängen wollen. Mit jedem Hinweis, wie sie dieses oder jenes fotografieren soll, verlässt sie ihren eigenen Pfad. Und noch einmal....sie ist 10 Jahre alt. Die soll Spaß haben mit der Fotografie und weiterhin auch mit ihren Playmobilsachen spielen. Ich kenne so viele Leute, die keinen Spaß damit haben, weil sie in die Fotografie etwas hineininterpretieren, was da nicht hingehört. Die sollen bloß nicht ihre Kinder genauso programmieren. 

How to Kinder lernen zu fotografieren Koblenz

Was macht sie also im Moment. Sie fotografiert einfach wann sie will und was sie will. Sie fotografiert was sie im Augenblick als schön empfindet und erfreut sich daran. Ich selbst muss nicht in jedem Bild einen tieferen Sinn sehen. Den sieht sie nämlich für sich und das reicht. 

 

Wenn Du es gerne hättest, dass Dein Kind fotografiert, kannst Du es nicht erzwingen. Lass Dein Kind Spaß daran haben und warte NICHTS. Lass sie tun und machen was sie will. Dein Kind wird vielleicht gerne fotografieren, oder hat gar keinen Spaß dran. Letzteres ist auch nicht schlimm. Hat sie die Kamera in der Hand, überfrachte sie nicht. Ob beim Sport oder anderen Dingen, Kinder können nur eine geringe Anzahl an Korrekturen verarbeiten, der Rest verpufft irgendwie im Kopf zwischen den anderen Gedanken an Eis und Prinzessin Lillifee. 

Kinder lernen das Fotografieren

Was noch fehlt ist das Thema Bildbearbeitung. 

 

Macht das bloß zusammen mit Eurem Kind. Stellt der ja nicht Euren Laptop dahin und sagt "nun mach mal". Das ist ein ganz toller Prozess, den Ihr gemeinsam mit Eurem Kind durchleben könnt. Es wird schwierig sein, seine eigene Bildsprache in der Tasche zu lassen, aber Euch selber bringt das weiter. Ich gehe mit meiner Kleinen wie folgt vor:

 

Bilder aussortieren

Wir machen das nach dem "schön / nicht schön"-Prinzip. Ich habe meinen Finger an der Maus und sie delegiert. Sie sagt mir, welche sie behalten möchte und welche nicht. In manchen Fällen frage ich sie, warum sie diese Entscheidung getroffen. Meistens in den Fällen, wenn ich selbst das Bild aber anders bewerte. Ich möchte da selbst lernen, was sie darin sieht, denn das kann auch für mich eventuell eine interessante Perspektive eröffnen. Das eigene Kind als Referent. In seltenen Fällen mische ich mich ein und sage ihr, dass ich das Foto gerne für mich behalten möchte. Später zeige ich ihr dann wieso und warum. 

Und eines noch...GANZ WICHTIG. Wenn sie sagt das Bild ist schön (und Du findest es eigentlich scheisse), dann hast Du das zu respektieren und ihr das nicht madig zu reden. Du glaubst gar nicht, wie schnell enttäuscht Kinder sein können. Das eigene Selbstwertgefühl rutscht da flott in den Keller. Aber hey....Du bist Vater...oder Mutter...und weißt das selbst. 

 

Heller, dunkler, näher, Farbe, keine Farbe

Im Prinzip sind das die Anweisungen die sie mir geben soll. Grundsätzlich sagt sie mir als Erstes, ob sie das Bild gerne farbig oder in "mit ohne Farbe" hätte. Dann folgen Korrekturen der Belichtung und selten ein Beschnitt. 

 

Besprechung "kaputter" Bilder

Es gibt Fotos, die wären wirklich großartig geworden, wären einfach nicht grobe Schnitzer drin gewesen. Der Automatikmodus ist nicht allwissend und gibt manchmal Belichtungszeiten vor, in denen grobe Verwacklungen einfach passieren. Das kann sie nicht wissen. Ich sag ihr dann woran es gelegen hat und wie sie in Zukunft Dinge besser machen kann. Denn das wird der erste Schritt und eigener Ansporn sein, den Automatikmodus zu verlassen und zu probieren. YEAH...noch mehr Verschuss. EGAL! Papas Festplatte ist groß genug. 

 

Zeit genießen

Tür zu, auf die Couch. Der Moment, mit der eigenen Tochter in ihrem Zimmer zu sitzen, den Laptop aufzuklappen und mit ihr durch ihre Fotos zu gehen.......das ist echt schön. Denn was bleibt einem als Vater. Sie ist mittlerweile so groß, dass sie sich selbst oft im Zimmer verschanzt, liest oder der Nintendo verfällt. Vorbei die Zeiten, in denen man mit ihr auf dem Fußboden lag und mit kleinen Plastikpferden gespielt hat. Die werden halt größer. 

BErufswunsch Fotografin

Natürlich nehme ich das nicht ernst. Sie ist zehn Jahre alt. Zuvor wollte sie Tierärztin werden und davor Postbotin. Kinder sind sprunghaft und orientieren sich. Aber so ein mulmiges Gefühl ist schon da. Ich kenne ganz viele selbständige Fotografen. Nur ein kleiner Bruchteil davon, kann ganz alleine durch die Fotografie sein Geld verdienen und hangeln sich von Monat zu Monat. Ich werde sie niemals bewusst in einen Beruf schubsen, der wie ein Haifischbecken darauf wartet, dass sich die nächste Mahlzeit hineinstürzt. Die Wertigkeit der eigenen Arbeit nimmer immer weiter ab. Über das Warum gibt es zu genüge Artikel im Internet, dass mag ich hier gar nicht besprechen. 

Ist das am Ende ihrer schulischen Laufbahn aber immer noch ihr Herzenswunsch, unterstütze ich sie wo es nur geht. 

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