Mein Umstieg auf Fuji - Fazit

Fotograf Koblenz, Portraitbilder im Weinberg, Stephan Mahlow
Stephan Mahlow, fotografiert mit meinem Lieblingssetup bestehend aus Fuji X-T2, Elinchrom Quadra Flash

Nein. Ganz gleich was viele den Fuji-Jüngern vorwerfen, ich habe mich nicht durch den Hype anstecken lassen. Ich habe keinen unüberlegten Umstieg vollzogen. Seit zwei Jahren fotografiere ich digital nur noch mit Fuji. Und das ist gut so.

Am Anfang war Canon

2011 habe ich mit der Fotografie begonnen. Ein damaliger guter Freund besaß eine Canon 350D, die mir seinerzeit wie das Nonplusultra erschien. Der zauberte schon sehr mit dieser Kamera und ich bin auf seinen Fototouren gerne mitgelaufen. Irgendwann hatte ich selber Lust darauf und bekam von meinen Eltern eine Panasonic Lumix geschenkt. Die ersten Gehversuche waren interessant. Heute lache ich darüber, schon fast peinlich wie man damals keinen Zusammenhang zwischen ISO, Blende und Zeit erkannte. Irgendwann ging es aber echt schnell voran und die kleine Lumix war an ihre Grenzen gebracht.

So durfte ich mir mal die besagte Canon zusammen mit dem 50iger 1.8 ausleihen. Der Spiegelschlag war extrem sexy und das Fotografieren mit der Canon hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Geil. 

Sowas möchte ich auch!

 

Über Monate quälte ich Google, Zeitungen und die Gebrauchtbörsen nach entsprechender Ware. Was mir sofort klar war.....ich kaufe nicht erst eine kleine Kamera, denn ich wusste ich bleib am Ball. Ich liebäugelte erst lange mit einer Canon 40D bzw. 50D. Mein Augenmerk richtete sich dann aber ganz flux auf die noch recht frische Canon 7D. Keine zwei Wochen später kam ich durch einen riesigen Zufall für einen Appel und nen Ei dran.
Ich bin mit der Kamera los und dachte.....geiler Kram. Die 7D hat mich durch meine ersten Portraitshootings begleitet. Total zuverlässig und schnell. Die Bildqualität erhaben. Ich wollte recht schnell mehr. Wenn mich ein Mythos dann gefangen nahm, dann der des angeblich viel besseren Vollformats. Nach der 7D kam die 5D Mark II. Es war anders mit ihr. Beide Kameras hatten Ihre Stärken und Schwächen. Auch die 5D hat mich niemals im Stich gelassen. Mit beiden Kameras habe ich jeweils knapp 50.000 Fotos geschossen und war vollkommen zufrieden.

Was bewegte mich zur Fuji?

Keinesfalls eine Unzufriedenheit mit Canon.

2014 war für mich und meine Familie ein schwieriges Jahr. Man setzt Prioritäten und ich war damals überzeugt davon, dass ich nie mehr professionell fotografieren werde. Ich verkaufte alles. Lediglich ein Walimex Blitz blieb bis heute liegen und verstaubte (ein VC 600, wer Interesse daran hat, kann mich gerne kontaktieren).
Ende 2015 wollte ich zumindest mal zwischendurch ein wenig mit einer Kamera unterwegs sein. Also suchte ich was Kleines, aber dennoch Hochwertiges. Spiegelreflexkamera? Brauch ich nicht. Den Spiegel hab ich schon immer als überflüssig erachtet. Canon hatte die EOS M, die ich auch besessen habe, aber auch abgab. Die Kamera war cool...für Zwischendurch. Aber ich bin ein "Sucherkind". Bildkomposition funktioniert bei mir nur durch den Sucher, aber nicht auf einem Display. Bekloppt? Ja, aber ich bin da kein Typ für. Das ist fast wie mit einem iPad in der Menge stehen und fotografieren.
Nach langem Lesen schwankte ich zwischen dem Kauf einer Olympus und einer Fuji. Bei Foto Heibel in Koblenz hatte ich beide Geräte in der Hand. Die Fuji fühlte sich wesentlich wertiger an und lag mir generell besser in der Hand. Das Geld für eine X-T1 wollte ich nicht ausgeben und hab zur X-E2 gegriffen. Eine Rangefinder-Kamera. Ich fand es ziemlich angenehm das Gesicht zum Teil frei zu haben. Gerade wenn man Menschen fotografiert und die Kommunikation halten will. Die Kleine war nicht wirklich flott, aber die Qualität der Fotos hat KEINE...GAR KEINE Wünsche  offen gelassen. Ganz unbemerkt fing ich wieder an mehr zu fotografieren. Mein Umfeld merkte dies und frug aktiv nach Bildern. Ich hab die Fuji also auch im Studio gequält. Jeder war irgendwie überrascht, wenn ich dieses kleine Spielzeug aus der Tasche nahm, manchmal wurde ich sogar belächelt.

Deswegen wieder zurück zu Canon?

Gott bewahre. Jetzt mal im Ernst. Warum soll ich auf ein System umschwenken, welches nicht in der Lage ist innovative Produkte auf die Welt zu bringen. Die Preisanstiege der 5D-Reihe sind völlig daneben im Hinblick auf etwaige Verbesserungen. Die Preispolitik ist ähnlich schlimm wie die von Apple. Erst danach kamen für mich die Faktoren Gewicht und Größe ins Spiel, die dem Fuji X-System sowieso in die Karten spielen. Ich war mit der Fuji zufrieden, sehr, aber zwei Dinge fehlten mir. Eine höhere Geschwindigkeit und ein bisschen mehr Reserve in Form von Megapixeln. Der logische Schritt -> Fujifilm X-T2. 

Die Kamera, oder wie ich das Gerät nenne, das kleine Biest, zogen über Probis Berlin bei mir ein. Die Erwartungen die ich an diese Kamera hatte wurden bei weitem erfüllt, zu einem Bruchteil des aktuellen Preises einer Canon 5D. 

Aber was infizierte mich?

Um das zu beantworten, muss ich wieder zurück zur X-E2 kommen. Die Kamera war klein und handlich. Für meine großen Hände schon etwas zu klein, aber an die fehlende Griffmöglichkeit habe ich mich schnell gewöhnt. Es gab einen nachkaufbaren Griff, damit sah die Kamera aber furchtbar aus. Das war echt keine Option.

Ich habe mich sofort an das schnelle fotografieren gewöhnt. Blende am Objektiv mittels Rad einstellen, Zeit und ISO über schnell erreichbare Drehknöpfe auf der Kamera. Ich hab die 5D beherrscht, so ist es nicht. Aber bei der kleinen Fuji ging es alles ein wenig schneller von der Hand.
In Available Light Situationen gibt es noch ein weiteres Plus des Fuji Systems. Ich seh schon vorher, wie das Bild nach dem Auslösen aussieht. Aber nicht nur in AL Situationen, auch im Einsatz mit Blitzlicht ist das ganz praktisch. Da ich sehr gerne den die Umgebung ein bis zwei Blenden unterbelichte, kann ich das direkt an der Kamera so richten und stelle nur noch den Blitz auf die Situation ein. Weniger "Try and error". 
Mein ganzer Workflow beschleunigte sich durch die Fuji.

Faszinierend sind auch die RAF-Files

RAF-Dateien sind die RAW-Files der Fuji-Reihe. Obwohl die Kamera weniger Auflösung zu bieten hat als die Canon 5D MK II, sind die RAF-Dateien größer als die RAWs. Mir ist lange Zeit nicht aufgefallen warum. Irgendwann hatte ich ein Bild, was wirklich total verschossen war.  Dadurch, dass der Kunde hier ein unwiederbringliches Gesicht machte, musste ich dieses Bild unbedingt retten. Und es ging!! Diese unfassbaren Reserven an Bildinformationen hatten die RAWs der Canon nicht zu bieten. Ich weiß nicht, wie sich das heute mit der MK 3 oder 4 verhält, aber die 2er kam da nicht ran.

Mit der Fuji X-T2 ergeben sich hier noch phantastischere Möglichkeiten. Bei der X-T2 gibt es zudem die Möglichkeit, die RAF kameraintern zu komprimieren, verlustfrei, so sagt es zumindest FUJI. Einen objektiven Test hab ich hierzu noch nicht gestartet.

Dieses Jahr gab es noch die FUJI GFX auf dem Tisch

Klicke HIER und Du findest den Artikel darüber.

Fazit

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich jemals von FUJI wieder weg möchte, würde ich das derzeit mit einem klaren NEIN beantworten. Allerdings verschließe ich mich auch nicht vor Veränderungen. Wenn ich mich in irgendein anderes Kamerasystem verlieben sollte, dann würde ich eventuell den Schritt gehen. Aber...das Fuji X System ist derzeit, für mich persönlich, das Maß aller Dinge. Es gibt sicherlich Kameras mit besseren technischen Werten. Aber die FUJI X-T2 ist so auf meine Bedürfnisse abgestimmt, dass ich keinerlei Wünsche mehr habe. Ich kann wahnsinnig schnell mit ihr arbeiten, alles läuft intuitiv ab und ich bislang noch keinen Moment der Reue verspürt, dass ich von Canon zu Fuji gewechselt habe. 

Egal warum man wechselt. Weil man einem Hype folgt oder aber unzufrieden mit seiner bisherigen technischen Aufstellung ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass hierdurch die etablierten Hersteller wie Canon und Nikon irgendwann mal wieder innovativ vorwärts gehen werden. Wer den Preis immer weiter anzieht, sollte auch erkennbare Fortschritte liefern.

 

Denn mal ehrlich. Egal ob es eine Canon 5D MK II, eine Olympus OMD, eine kleine Fuji oder whatever ist, Du wirst die gleichen Bilder damit schießen. Der Weg dahin kann sich eventuell unterscheiden, aber das Ergebnis ist oft das Gleiche. Und auch der Kunde wird keinen Unterschied merken. Vor allen Dingen der Kunde nicht! Ich muss da immer an Martin Krolop denken, der immer wieder seine alte, verranzte Canon 5D MK II ausgräbt und damit wunderschöne Bilder schießt. Es ist nicht immer nur die Technik. Vielleicht ein bisschen die Verliebtheit in diese, aber letztendlich sind wir es, die die Bilder damit schießen und darauf kommt es an. 

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